Berlin, 23. August 1943

Es war das Zuschlagen der Wohnungstür das den Jungen weckte.

Bum! Und dann war es still. Im Schlafzimmer was es hell, aber in der Wohnung mucksmäuschenstill.

Ende August werden die Nächte schon wieder etwas kühler. So war es nicht verwunderlich, dass er, ein  Achtjähriger,  sich nach dem Erwachen noch einmal in die Decke wickelte. Es waren immer noch Schulferien und es gab keinen triftigen Grund aus dem Bett zu springen.

Zusätzlich freute er sich, dass er in den letzten Tagen hatte durchschlafen können ohne durch die Sirene geweckt zu werden, welche  immer einen Fliegeralarm ankündigte und die Menschen in Berlin um ihren Nachtschlaf brachte.

Doch dann fiel ihm ein, was seine Mutter gesagt hatte. Seine beiden Schwestern  sollten wegen der zunehmenden Fliegerangriffe verschickt werden. Ja, er hatte es in der Wochenschau im Kino gesehen, wie schwer Hamburg zerstört worden war. Daraufhin war die Evakuierung Berlins angeordnet worden.

„Und warum werde ich nicht verschickt?“ wollte er von seiner Mama wissen. „Für dich muss erst noch ein Platz gefunden werden.“

Und dann fiel ihm mit Schrecken ein, dass die Schwestern an diesem Morgen verschickt werden sollten; einfach so wie ein Paket. Das war also was er gehört hatte, die Wohnungstür war zugefallen. Bums! Sie waren fort und  hatten nicht einmal „Auf-wiedersehen“ zu ihm gesagt.

Gerade die Trennung von seiner jüngeren Schwester würde ihm schwer fallen. Die Schwestern waren schon einmal im Sudetenland gewesen und das war für ihn recht langweilig geworden. Wer weiss, wann sie diesmal zurückehren würden?

Das Zuschlagen der Wohnungstür war der Anstoß, den er brauchte, um aus seinem warmen Bett zu springen. Ohne zu überlegen lief er barfuß auf den Hausflur hinaus und über den Hof zum Vorderhaus. Nirgends sah er eine Menschenseele. Die Panik, seine geliebte Schwester nie mehr zu sehen, trieb ihn an.

Dann stand er  vor der Haustür auf der Straße. Wo konnten sie sein? Dann sah er sie. Sie waren schon, wie  es ihm erschien, weit fort. Er stand nur in einem Nachthemd bekleidet auf der Straße. Schaute und schaute, in ihm war etwas zerbrochen. Mit jeder Sekunde, die er zögerte, entfernten sich seine Mutter und die Schwestern weiter. Andere Menschen versperrten ihm den Blick. Eine  überwältigende Enttäuschung übermannte ihn.  Der Krieg war ganz und gar nicht schön. Der Papa war nach Italien geschickt worden denn, dort war der Feind gelandet. Auch das hatte er in der Wochenschau gesehen.

Später, in der Nacht gab es dann einen schweren Luftangriff. Für fast drei Stunden griffen die Britten Berlin an, und der Bezirk Kreuzberg, war ein besonderes Ziel. Als sie dann im Kellergang saßen, wackelten  die Wände ganz fürchterlich.  Die Bomben heulten bis sie irgend wo in der Nähe einschlugen. Das ganze Gebäude bebte.

Noch während die Bomben fielen, erschien dem Jungen der Gedanke, dass er doch recht froh war, das seine Schwestern das nicht erleben mussten. Sie waren in Sicherheit.

 

Anmerkung: Nach Angaben in dem Buch „Bomben auf Berlin“ griffen etwa 625 Flugzeuge der RAF für knapp drei Stunden außer den Innenbezirken auch Spandau und Tegel an. Außer Bomben warfen sie auch Flugblätter und gefälschte Lebensmittelkarten ab.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Berlin 2016

Ich brach auf, um die Vergangenheit zu besuchen, kam aber in der Zukunft an.

Wie ein Zeitreisender fand ich nach meiner Rückkehr, dass mein Planet sich verändert hatte.

Die, welche lebten als ich die Heimat verließ, haben längst ihre irdischen Hüllen verlassen.

Meine alte Familie kannte niemand mehr. Man hatte mich und meine Lieben vergessen. Wir schienen nie  gelebt zu haben.Geschäfte, welche damals den Menschen  etwas anboten, waren nun nicht mehr vorhanden. Andere Geschäfte boten Dinge an, die damals noch nicht existierten.

Die neue Ansicht meiner alten Wohngegend war mir fremd. Gebäude waren aus dem Boden geschossen wo früher  Bäume standen. Neue Bäume gaben Schatten wo damals Straßenbahnen fuhren.

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Wo die Tankstelle ist, stand früher ein Wohnhaus. Wo die Berufsschule ist, waren früher Schrebergärten.

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Die selbe Straßenseite in 1942

 

 

 

Die Angst vor einem unsichtbaren Feind geht um. Die Menschen sind verängstigt, weil sie glauben,  zu viel zu verlieren zu haben. Die politischen Druckwellen eines Bombenanschlags in einem fernen Land, von  dem man nicht viel Ahnung hat, sind durchaus in den wohleingerichteten Stuben zu spüren. Ein Axtmord in Ansbach verunsichert eine globale Welt. In unseren Reflexen, zu den täglichen Ereignissen, benehmen wir uns wie die Dorfbewohner in einer mittelalterlichen Ortschaft. Da, wo früher die Hexen wohnten, leben heute Asylbewerber.

Aber in Wirklichkeit ist die Welt heiler als vor vielen Jahren. Wir wohnten für vier Wochen in Friedenau ( Friedliche Aue) und es war so friedlich wie man es sich nur wünschen konnte. Die Luft war rein (anders als in den siebziger Jahren, als die Schwefelsäure zum Waldsterben führte) und wir ließen immer die Fenster auf; hörten ständig die Vögel zwitschern.

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Innenhof in Friedenau

Alle Stunde läuteten die Glocken einer mächtigen Kirche, die wie eine Trutzburg den Gläubigen, sowie den Ungläubigen,  Vertrauen einflößte: „Hier stehe ich und kann nicht anders!“

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Nathanael Kirche am Gratzer Platz

 

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Eine friedliche Straße in Friedenau

Und nebenan ist die Bäckerei „Wolke“ wo  schon am frühen Morgen, die ersten Kunden zum Kaffeetrinken kommen. Und der Kuchen war auch sehr lecker.

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Ein älteres Ehepaar aus Australien vor der Bäckerei „Wolke“

 

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Frühstück in der „Wolke“

 

Aber auch die Vergangenheit ist immer präsent. Die Erinnerung an den 2. Weltkrieg  lässt  nicht locker. Immer wieder werden Blindgänger von den schrecklichen Bombenangriffen des Krieges gefunden.  Dann kann es passieren, dass tausende von Menschen evakuiert, ganze Straßenzüge stillgelegt und Verkehrsverbindungen unterbrochen werden.

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Anzeigetafel auf dem S-Bahnhof Friedenau mit der Warnung, dass eine Bombenentschärfung in der Nähe von Oranienburg im Gange ist .

In Berlin kann man oft die Vergangenheit und die Gegenwart zur gleichen Zeit entdecken. Z.B. am Lustgarten wo das alte, kaiserliche Schloss wieder aufgebaut wird.

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Unter den Linden wird überall gebaut. Im Hintergrund sieht man schon die Kuppel des wieder enstehenden Schlosses. Das alte Stadtbild wird dann wieder komplett sein.

 

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Ein altes Gemälde mit dem alten Schloss im Hintergrund

Nicht weit von wo wir wohnten war ein Friedhof. Er liegt am Fuße des Insulaners (künstlicher Hügel bestehend aus Trümmerschutt des 2. Weltkrieges).  Dort ist im Laufe von Jahrzehnten ein herrlicher Regenwald der gemäßigten Zone entstanden, in dem man durchaus Tiere, wie Füchse, Kaninchen oder Eichhörnchen,  finden kann. Die Sauerstoff reiche Luft ist sehr erfrischend.

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Es ist durchaus möglich den einen oder anderen Jogger auf den Wegen des Friedhofs zu finden.

Was ist mit der Zukunft? In einem anderen Blog werde ich über das Südgelände berichten in dem man einen Eindruck bekommen kann, wie die Natur wieder zurücknimmt was die Menschen einmal geschaffen haben.

 

Doktor Schiwago

Es ist mehr als fünfzig Jahre her, dass ich das Meisterwerk von Boris Pasternak gelesen habe. Damals, in meinen jungen Jahren, las ich das Buch mit einer wahren Begeisterung. Endlich konnten wir lesen, wie es vordem, während der Russischen Revolution, gewesen war. Westliche Berichterstattung und beiderseitige Propaganda waren der Wahrheitsfindung nicht gerade erträglich.

Das Buch selber war ja auf einer abenteuerlichen Art und Weise zu uns, über Italien, nach Deutschland gelangt. Das die CIA ihre Hand im Spiele hatte, kam erst Jahrzehnte später an die Öffentlichkeit. Sie wussten, dass das Buch ein Meisterwerk war und man wollte, dass Boris Leonidowitsch Pasternak den Nobel Preis erhält um die Sowjet Union in Verlegenheit zu bringen. Damals, wie heute, war Russland das Land hinter der Grenze (The Frontier) das man erobern musste, um ein neues Eldorado aufzubauen. Dieser Traum hat das Potenzial ein Albtraum für den Rest der Welt zu sein.

Nun hat das Buch, mit Lederrücken, für Jahrzehnte in meinem Bücherschrank gestanden. Ich brauchte nur einen Blick auf das Buch zu werfen und wußte sofort was darin stand. „Wenn ich einmal Zeit habe, werde ich es noch einmal lesen“, sagte ich immer. Jurij Andréitsch Schiwago und Larissa Fjodorowna Guichard waren bei mir gut aufgehoben.

Bis vor kurzem. Meine Tochter zog mit ihrem Partner bei uns ein und wie ein Ikonoklast stürmte sie durch die Zimmer um Platz zu schaffen. Bücherschränke mussten raus und mit ihnen Bücher. Es galt eine Auswahl zu treffen. Ihr Partner, ein moderner, rationaler Philosoph versicherte mir, man brauche heutzutage keine Bücher. Man kann alle Bücher als E-Buch auf einem kleine elektronischen Lesegerät haben. Das ist auch so eine Revolution und zwar ganz friedlich.

Hunderte von Büchern verschwanden aus unserem Leben. Einige wurden zur Wiederverwendung verschenkt, andere werden wohl irgendwo als Toilettenrolle wieder geboren. Aber meinen „Doktor Schiwago“ konnte ich vor einem ähnlichen Schicksal bewahren. „Ich muss es erst noch einmal lesen“, rief ich aus und legte es auf meinem Nachttisch.

Auf Russisch kann ich den „Доктор Живаго“ leider nicht lesen, aber auf Deutsch und Englisch schon. Mein Buch war natürlich eine deutsche Übersetzung und eine englische Übersetzung holte ich mir aus unserer gut eingerichteten öffentlichen Bücherei.

Manchmal verglich ich das Gelesene und stellte bald Unterschiede fest. Das schien seltsam, aber veränderte doch nicht den Sinn für den Leser, der ja nicht das Original kennt.

Die Bücherei lieh mir auch den David Lean Film und eine englische Miniserie (2002). Ich habe mir beide angeschaut und während beide Filme von dem Buch abweichen, so hat doch der David Lean Film, von 1965, eine viel größere emotionale Wirkung.

Inzwischen habe ich entdeckt, dass es noch eine russische Fernsehserie in acht Teilen gibt , die auf YouTube abrufbar ist; aber leider nur in Russisch, ohne Untertitel.

Das Buch selber hat wieder die gleiche Wirkung auf mich wie damals. Pasternak ist ein wunderbarer Erzähler. Charaktere und Landschaften kann er so beschreiben, dass sie als klare Bilder in unserer Vorstellung erscheinen.

Die Geschichte mit der Waldwehr (Partisanen) in der Taiga lässt an Brutalität nichts zu wünschen übrig. Schiwago ist eigentlich ein Ehebrecher aber der Leser mag ihn so sehr, dass er ihm verzeihen kann und sogar versteht, dass ein Mann zwei Frauen gleichzeitig lieben kann. Unser aller Leben sind Dramen und geschichtliche Ereignisse erhöhen dieses Drama um ein Vielfaltiges.

In den Nachwehen der Revolution sank das Land in eine grausame Barbarei. Erst der Überfall der deutschen Armeen in 1941 hat die Sowjet Union wieder aufgefangen, als die Russen erkannten, dass der Feind von Außen den totalen Untergang für sie geplant hatte.

Pasternak beschreibt die Gräueltaten der „Weißen“ und „Roten“ und wir wissen heute, dass damals auch Truppen aus Amerika, England, Japan und Australien (!) eingegriffen haben. Diese Interventen waren besonders verhasst.

Warum?

Russland ist ein großes Land mit Bodenschätzen die zu verlockend sind um in der Erde gelassen zu werden. Diese Erde, Mütterchen Russland, ist den Russen heilig aber wir im Westen sehen nur Bodenschätze zum Ausbeuten und Plündern.

Doktor Schiwago hoffte, dass die Revolution ein besseres Leben für die geplagten Menschen des Zarenreiches bringen könnte. Er und sie alle wurden bitter enttäuscht. Die neue Freiheit brachte nur den Kampf jeder gegen jeden und am Ende eine neue Unterdrückung. Nur der Kampf gegen den gemeinsamen Feind machte aus ihnen wieder Russen und nicht zerstrittene Brüder.

Pasternak beendet den Roman mit der stillen Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Er glaubt sie zu spüren auf den Straßen „der heiligen Stadt“ Moskau.

Was würde Pasternak zu der heutigen Situation in Russland sagen? Würde er die nächste Revolution ahnen? Das Russische Volk ist sich ziemlich einig, und sicher, dass der Feind nur von außen kommt. Wenn nur das jetzige Regime dem Volk ein Minimum an Gerechtigkeit geben kann, dann wird das Gespenst der Selbstzerfleischung gebannt bleiben.

Erinnerung an die Petrikirche

 

In der letzten Woche erreichte mich ein Blog-post ( in Englisch) über die nicht mehr vorhandene Petristraße und die alte, schon fast vergessene, Petrikirche  zu Berlin-Cölln.

Nicht viele Menschen erinnern sich an den gewaltigen Bau mit dem schlanken, spitzen Turm auf dem Berliner Petriplatz.

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Bundesarchiv Bild 183-10508-0001, Berlin, Ruine der Petrikirche 1951

In den fünfziger Jahren fuhr ich einmal in der Woche mit dem Fahrrad von Kreuzberg zum Gesundbrunnen zur Berufsschule und zurück. Der Weg führte über die Gertraudenstraße und den Mühlendamm. Damals war die ausgebombte Innenstadt wie ausgestorben. Die Straßenbahn fuhr auch nicht mehr und sollte einmal ein  Auto zu sehen sein, so hatte es sicherlich verirrt. Von Menschen ganz zu schweigen. Sie waren nach dem Bombenkrieg und der Schlacht um Berlin nicht mehr in die Altstadt zurückgekehrt.

An einem Nachmittag, als ich nach der Berufsschule auf dem Nachhauseweg war, wollte ich, von der Mühlendammbrücke kommend, über den Petrieplatz fahren. Da wurde ich plötzlich gewahr, dass ein älterer Herr, von rechts kommend, schräg über den Platz zur Petristraße wollte.

In meinem jugendlichen Eifer dachte ich, ich umfahre ihn. Aber mein Fahrrad fuhr in eine alte Straßenbahnschiene, und ich konnte nicht entkommen. Ich klingelte wie verrückt. Auf den Gedanken anzuhalten kam ich nicht. Vielleicht wurde ich auch schon von der Panik erfaßt. Will der alte Mann denn nicht anhalten? Das ging auf einmal alles sehr schnell und ich erfaßte den alten Herrn, mit meiner rechten Schulter, am Kopf über der Augenhöhle.

Der Herr fiel sofort auf das Straßenpflaster und mein Fahrrad hielt an. Ich sprang ab und half den Herrn auf die Beine. Da sah ich mit Schrecken, dass sich über seinem linken Augenlid ein Bluterguss bildete. Dieser Bluterguss, erst klein, wuchs zusehends größer und größer. Bald hatte er das Aussehen und die Größe einer großen Pflaume. Ich war zutiefst betroffen. Das Auge war nicht mehr zu sehen und der alte Herr wusste nicht, was geschehen war. Er hatte offensichtlich mein Klingeln nicht gehört. Was tun?

Keine Menschenseele war weit und breit zu sehen. Ich führte den Herrn fort von der Straße zur Kirche. Ich sagte ihm, er solle dort warten und ich werde Hilfe suchen. Aber wo?

Ich lief zur Brüderstraße und hatte Glück. Ein Streifenwagen der Ost-Berliner Volkspolizei stand dort wie gerufen. Ich erklärte den beiden Beamten was geschehen war und schickte sie zum Petriplatz. Die beiden Polizisten kümmerten sich um den alten Herrn und luden ihn in ihren Wagen, um ihn zu einem Krankenhaus zu fahren. Sie stellten keinerlei Fragen zu meiner Person; ahnten wohl, dass ich ein West-Berliner war.

Ich war froh, dass sie mich nicht verhafteten. Aber Schuldgefühle plagten mich noch lange und ich vermied für eine lange Zeit, den gleichen Weg zu fahren. Man konnte nie wissen, vielleicht lag sogar ein Haftbefehl für mich vor.

Niemand von West-Berlin wollte  mit den Behörden im Ostsektor etwas zu tun haben. Ost und West waren damals eine Realität, aber meine Erinnerung von damals ist auch eine Realität und wird immer wieder geweckt. Die Petriekirche wurde 1961 abgerissen und das ganze Viertel umgestaltet.

Europa, wohin gehst Du?

Ich lebe zwar fernab von Europa, aber es ist meine kulturelle Heimat und wird es immer bleiben. In den letzten Tagen wurde in meinem Heim viel über die Krise in Griechenland diskutiert. Die Nachrichten waren voll von diesem Thema. Es war fast so, als würde das Ende der Welt vor uns stehen. Ein neues Wort wurde geboren und es schien, als ob es dem Weltuntergang gleich kam: Gretix.

Deutschland ist ein mächtiges Land, in Europa. Jahrzehntelang wurde es immer gesagt und nun hat sich die „Eiserne Kanzlerin“ Merkel entschlossen mit dierser Karte zu trumpfen. Was hier getan wurde, und der Welt  als Lösung angeboten wird, ist weiter nichts als ein Krieg mit anderen Mitteln.

Merkel, Schäuble und Co haben sich wie Machtmenschen benommen und nicht wie unsere Beauftragten die Konflikte lösen sollen.  Diese Machtmenschen aber sind nicht voll zurechnungsfähig.Sie haben die europäische Perspektive vollkommen aus ihren Augen verloren. Sie glauben, sie haben Europa gerettet, aber das stimmt nicht. Sie haben es zu einem Umschlagplatz für Finanztransaktionen degradiert.

Ihre Politik, die angeblich auf Rationalität beruht, ist irrational! Hier werden nur Zahlenspiele betrieben und die emotionellen Ansprüche der Menschen nicht berücksichtigt. Europa sollte kein Buchhalterklub sein, sondern eine gelebte Idee.

Europa sollte eine Familie sein, in der einem gestrauchelten Mitglied geholfen wird und nicht die Zähne eingeschlagen werden. Die Banken sind wie Drogenhändler und die Politiker die Schläger, die das Geld eintreiben. Die Mehrheit der Europäer haben die Idee von einem Europa verstanden, aber der Finanzsektor sieht darin nur einen Markt wo man abkassieren kann. Die öffentlichen Güter Griechenlands sollen an die Privaten verscherbelt werden.  Es erscheint mir, dass dies der Sinn der Übung war. Man gibt jemanden so viel Kredit, bis er nicht mehr bezahlen kann, und dann wird gepfändet. In diesem griechischem Fall bekommt man das ganze Land für „ein Butterbrot und ein Ei“.

Die Renten und die Löhne werden gesenkt, aber die Läden <strong>müssen</strong> länger offen bleiben. Was ist das bloß für ein Witz?

Diese sogenannte Lösung, von den Deutschen angeregt und erzwungen, ist ein totales kulturelles Versagen. Können sich Deutsche Touristen nach dieser „Lösung“ überhaupt noch in Griechenland sehen lassen?  Wenn Deutschland mit der Macht spielt dann bekommt das der Welt ganz und gar nicht.

Wo ist er geblieben der „Götterfunke“ der so schön in der Europa Hymne besungen wird? Friedrich Schiller muss sich in seinem Grab umdrehen, wenn er spürt, dass die Antike, die er uns als Vorbild für eine bessere Welt empfohlen hat, so von Erbsenzählern mit den Füssen  getreten wird.

Die Griechen werden vielleicht bald wieder glücklich sein, wenn es keine Ladenschlusszeiten mehr gibt. Ich gieße mir einen Ouzo ein und horche Vicky Leandros zu wie sie sich nach einer besseren Welt sehnt.


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Meine Schuljahre

Hier auf der südlichen Halbkugel sind in den letzten Monaten die Nächte immer länger geworden. So lang, dass es morgens um halb sieben noch immer dunkel ist. Ich wache meistens zwischen fünf und sechs auf. Dann liege ich wach, da ich nicht in der Dunkelheit aufstehen möchte. Wozu auch? Die Räume sind ungeheizt und ungemütlich. Das Gehirn aber ist wach – hell wach! Es fängt an zu sinnieren. Es kramt in alten Ecken der Erinnerungen. Es kommen Sachen zum Vorschein, an die man nicht oft denkt und dann bin ich überrascht, dass das damals so war wie es war.

Heute Morgen im dunklen Schlafzimmer ließen mich die Gedanken an meine ersten Schuljahre nicht mehr los. Ich bin zwar in Tempelhof (St. Joseph Krankenhaus) geboren war aber ein waschechtes Kind vom Kreuzberg; nämlich von SW 61. Aber ich brauchte immer nur über den Fahrdamm gehen und war dann gleich in Tempelhof. Wir hatten Glück, dass niemand eine Mauer dort hin baute.

Ostern 1940 wurde meine Schwester in unsere zuständige Schule in der Hagelberger Straße eingeschult. Aus irgend einem Grund wurde der Beginn des Schuljahres danach umgestellt. Die nächsten Einschulungen fanden erst am 1. September 1941 statt.

Inzwischen hatte der Krieg in Russland begonnen und unsere Schule wurde als Lazarett benutzt. Meine Schule war dann die 33. Volksschule in der Gneisenaustraße. Es war eine Knabenschule. Die 32.Volksschule, eine Mädchenschule befand sich auf dem gleichen Schulhof in einem anderen Gebäude. Heute ist der ganze Komplex die „Lina Morgenstern Schule“ mit einem schulischen Leitbild was in meiner Zeit nicht vorhanden war. Der Rohrstock war damals ein Leitmotiv besonderer Art. Unsere Lehrerin, eine frustrierte Kriegerwitwe, ließ den Stock oft auf den nur mit der Unterhose bedeckten Hintern tanzen.

Schule Gneisenaustrße 7

Schule Gneisenaustrße 7

Meine Mutter brachte mich nur am ersten Tag zur Schule. Dann musste ich, wie alle anderen Kinder, allein zur Schule laufen. Es war ein etwa fünfzehn-minutiger Fußweg auf dem ich später oft in Begleitung eines Mädchen aus der Nachbarschaft war. Ihren Namen habe ich leider vergessen, doch das Unglück, das sie erlitt, ist für immer in meinem Gedächtnis eingebrannt. Ich habe dieses tragische Ereignis in einer Nacherzählung festgehalten.

Später, nach dem Krieg ging ich in die 2. Volksschule in der Barther Straße. Der Weg, entlang einer endlosen Friedhofsmauer, war ein längerer und die Winter kälter. Da die Schule nicht geheizt werden konnte, fiel der Unterricht oft wegen Kälte aus. Da gingen wir nur hin um unsere Schulspeisung abzuholen. Das war oft die einzige warme Mahlzeit des Tages in jener Zeit. Hinter unserer Schule war ein ausgebombtes Schulgebäude, und in den Pausen machten wir uns einen Spaß daraus, die unter Strom stehenden Mauern anzufassen. Das nannte man damals eine Mutprobe.

Irgendwann zogen wir zum Mehringdamm um und wurden dann die 1. Schule des Verwaltungsbezirks Kreuzberg. Diese Schule wurde auch Einheitsschule genannt. Heute ist dort die 6. Realschule ansässig und das Schulgebäude steht unter Denkmalsschutz.

Berlin-Kreuzberg / Mehringdamm 59

Berlin-Kreuzberg / Mehringdamm 59

 Mit was wir eine Einheit bildeten habe ich nie verstanden. Wir hatten Schichtunterricht und die andere Schule, welche das gleiche Gebäude benutzte, war eine Mädchenschule. Es waren Zeiten der Not und im Sommer saß ich oft nur in einerTurnhose auf der Schulbank. Wenn es regnete erlaubte mir meine Mutter Strohschuhe anzuziehen. Aber diese hielten nicht lange.

Einmal gab es einen riesigen Skandal als unser Sportlehrer mit einer Lererin von der Mädchenschule plötzlich nach West-Deutschland durchbrannte. Das regte unsere Fantasie besonders an.  Schlägereien unter uns Jungen waren die Regel. Irgendein Idiot forderte  mich zum Kapf auf. Das war „normal“ und dem konnte man nicht entgehen.

Es gibt keine Höhepunkte in meinem Schulleben. Wir hatten viele ältere Lehrer nach dem Krieg da die jüngeren noch in Gefangenschaft waren oder ganz und gar gefallen waren. Später dann gab es sogenannte Junglehrer gerade aus der Ausbildung.  Einer dieser älteren Herren war Herr Lorenz. Er unterichtete uns in Rechnen und Raumlehre (so hieß das damals). Er war ein Hausbesitzer und hatte darum  viele Besorgungen zu erledigen. Da schickte er mich gerne auf die entsprechenden Ämter. Er sagte, ich könne schon alles und es macht nichts aus. Er gab mir das Fahrgeld, aber oft lief ich einfach und behielt das Geld für mich.

Das war dann meine letzte Schule. Am 30. Juni 1950 war mein letzter Schultag. Mein Abschlusszeugnis ist es nicht wert, eingerahmt zu werden. An meinem ersten Tag nach der Schule fuhr ich mit der S-Bahn zum Strandbad Wannsee.  und wollte so meine neue Freiheit genießen.

Das Leben wartete auf mich.

Osterspaziergang

Vom Eise befreit sind Strom und Bäche
           durch des Frühlings holden belebenden Blick,
           im Tale grünet Hoffnungsglück;
           der alte Winter, in seiner Schwäche,
           zog sich in rauhe Berge zurück…..   

Das ist der Anfang des berühmten „Osterspazierganges“, aus Goethes „Faust“, den ich in einem Blog fand.

Nun, ich lebe auf der Südhalbkugel unseres herrlichen Planeten, und da sind nun mal die Jahreszeiten etwas anders. Wir feiern hier, in Australien, Ostern im Herbst. Dürfen wir da eigentlich Ostern, das Fest des Frühlings, feiern?

Ostermorgen  von Casper David Friedrich

Ostermorgen von Caspar David Friedrich

Wie dem auch sei, wir feiern die Auferstehung des Jesus von Nazareth, ob wir glauben oder nicht. Man kann sich ja nicht helfen, denn überall werden die Fruchtbarkeitssymbole in Schokolade, angeboten.

Unsere jüngste Tochter kam mit ihrem Partner, frisch vom Pessach Fest, zu Besuch. Der Schlächter hatte ein „Lamm geopfert“ und wir bereiteten davon eine Keule für das Osteressen vor.

In frührerenn Jahren sind wir oft mit Caroline  auf einen Osterspaziergang  im Wald gegangen und so war es keine Überraschung, als sie den Wunsch äußerte, es wieder zu tun.

Am Ostersonntag Morgen also machten wir uns auf den Weg. Es ist nur eine kurze Autofahrt zum Fuße des Vorgebirges und wir fahren dabei durch eine herrliche Landschaft, an der ich mich nicht satt sehen kann. Die Sandsteinfelsen erheben sich wie eine Steilküste aus dem Boden der Illawarra Region.

Auf der "Illawarra Highway" zum "Maquarie Pass"

Auf der „Illawarra Highway“ zum „Maquarie Pass“

Wenn man  näher kommt, dann  türmen sich bald die Berge zu einer Barriere zum Hochland von NSW auf.

Ein Massiv sperrt den Weg zum Hochland.

Ein Massiv sperrt den Weg zum Hochland.

Am Fuße dieser natürlichen Sperre beginnt der Maquarie Pass. Es ist eine acht Kilometer lange Serpentinen Straße die eine Höhe von über 900 Metern überwinden muss.

Aber wir waren angekommen und parkten unseren Wagen neben einer gtoßen Wiese.

Laßt uns den Spaziergang beginnen, denn "hier bin ich Mensch, denn hier kann ichs sein!"

Laßt uns den Spaziergang beginnen, denn „hier bin ich Mensch,  hier kann ich’s sein!“

Es ist kaum zu glauben, aber hinter diesem Dickicht liegt der Eingang zu einem Regenwald der auf uns wartet. Bald hat uns der Regenwald verschluckt und der grelle Sonnenschein ist der grünen Dämmerung des Regenwaldes gewichen.

Nichts als Bäume

                         Zwischen den Bäumen mumelt ein Bach

Der Weg führt entlang des Maquarie Rivulet.  Schlingpflanzen formen seltsame Gebilde.

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Der Weg ist feucht aber nicht beschwerlich. Die anderen vergewissern mir, dass man Vögel hören kan. Ich höre nichts, weil ich mein Hörgerät nicht mitgebracht habe.

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Umgestürzte Bäume

                 Umgestürzte Bäume

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       Wir haben unser Ziel erreicht. Nach dem Regen des Vortages haben wir einen stärkeren Wasserfall erwartet.Aber es war immer noch gut genug.

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Wir verweilen um die Natur zu genießen. Caroline und Matthew klettern auf den Steinen herum.

Matthew und Caroline

             Matthew und Caroline

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                  So viel Wasser

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Hier könnte man verweilen

Es gibt so viel zu sehen, Moss auf den Steinen, Farnkraut und auch riesige SteineIMG_0880IMG_0878

IMG_0877Für eine Weile sind wir ganz allein. Dann kommt ein junger Mann und staunt über den Wasserfall. Es ist nicht einer jener gewaltigen Fälle des Amazonas, sondern nur ein kleiner Fall eines Baches der hier in die Tiefe „trudelt“. Aber er ist gut für unser Gemüt. Wir haben uns wieder erneuert, wie es wohl zu Ostern sein soll.

Der Berliner würde wohl sagen: „Nischt als Jejend!“, denn die Zivilisation ist weit entfernt. Wir machen uns auf den Rückweg wo wir Ute zurückgelassen hatten. Wir fanden sie vernüglich auf der großen Wiese und sie strahlte uns an während wir unsere Beine von den hungrigen Blutegeln befreiten. Sie hatten schließlich  geduldig auf Ostern gewartet.

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Wir fuhren nach Hause und bereiteten uns auf weitere Besucher und unsere Lammkeule vor.